Vom Sinn und Unsinn der Therapie
Ein Seminar über Wunde, Geburt und die Ethik souveräner Begleitung
Hintergrund
Viele therapeutische Ansätze halten Menschen – oft unbewusst – in einem Zustand der Vorgeburtlichkeit: der Idee, noch nicht bereit für das Leben zu sein. „Erst muss ich heilen – dann kann ich leben.“
Daraus entsteht eine Kultur des Aufschubs, der Reparatur und der Suche nach idealen Gefühlen.
Doch Heilung folgt keiner Reparaturlogik, sondern der Geburtslogik: ein Prozess mit Stadien, Krisenzonen und einem natürlichen Drang nach vorne.
Dieses Seminar macht sichtbar, wie therapeutische Haltungen die Geburt verzögern – und wie Begleitung gelingt, wenn wir den Menschen als bereits geboren ansprechen.
Inhalte
Wir erforschen die Dynamiken vorgeburtlicher Zustände: das Feststecken in perinatalen Mustern, die Rückkehrsehnsucht in ozeanische Zustände, die Verschiebung des Lebensbeginns in die Zukunft und die Projektion von Heilserwartungen auf Methoden oder Therapeut:innen.
Diese Muster werden nicht pathologisiert, sondern als Entwicklungslandschaften verstanden, die man lesen und begleiten kann – ohne selbst hineingezogen zu werden.
Die Aufgabe der Begleitung besteht nicht darin, zu „retten“ oder in symbiotische Räume zurückzugehen, sondern den Außenraum zu repräsentieren: Klarheit, Erwachsenenkontakt, Prozessverständnis.
Wie in realen Geburten geht es darum zu wissen, wann man nicht eingreifen sollte.
Zu viel Intervention verschleppt, zu wenig Zuhören verhindert, dass Inhalte landen.
Souveränität entsteht aus Hingabe an den Prozess, nicht aus Aktionismus.
Teilnehmende gewinnen einen neuen Horizont für ihre Arbeit:
- Abstand von der Messias- oder Reparaturrolle
- mehr Ruhe, Autonomie und Präsenz
- ein tiefes Verständnis von Wunde, Krise und Symptomen als Signalen eines übergeordneten Prozesses
- die Fähigkeit, vorgeburtliche Muster zu halten, ohne sie zu stabilisieren




